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ziehen. Aber gewiß iſt das eine kurzſichtige Auffaſ⸗ ſung. Das wahre Kreuz des Erlöſers war die Sünde
und Noth dieſer Welt— das war es was ihm
ſchwer auf dem Herzen lag— und das iſt das Kreuz das wir mit ihm tragen, das iſt der Kelch woraus wir mit ihm trinken müſſen, wenn wir Antheil haben wollen an der göttlichen Liebe, welche eins iſt mit ſeinen Leiden.
„Was mein äußeres Loos betrifft worüber Ihr mich befraget, ſo habe ich Alles im Ueberfluß. In der Fabrik habe ich immer Arbeit gehabt, obſchon mehrere andere auf einige Zeit entlaſſen worden ſind, und körperlich bin ich ſehr kräftig, ſo daß langes Gehen und Sprechen mich nicht ſehr ermüdet. Was Ihr davon ſagt daß Ihr in Eurem eigenen Lande bei Mutter und Bruder bleiben wollt, beweist mir daß Ihr unter einer richtigen Leitung ſteht; Euer Loos iſt Euch dort klar und deutlich angewieſen, und anderswo einen größern Segen zu ſuchen, das hieße ein falſches Opfer auf den Altar legen und auf Feuer vom Himmel warten um es anzuzünden. Ich habe meine Arbeit und meine Freude hier unter den Hügeln, und zuweilen meine ich daß ich mich allzu ſehr an mein Leben unter den Leuten hier feſtklammere, und daß ich widerſpenſtig ſein würde wenn man mich von da hinwegriefe.
„Ich danke für Eure Nachrichten über die lieben Freunde auf dem Pachthof, denn obſchon ich ihnen auf den Wunſch meiner Tante nach meinem Aufent⸗ halt in ihrer Mitte einen Brief geſchrieben, ſo habe ich doch noch keine Antwort erhalten. Meine Tante iſt nicht ſtark im Schreiben, und die täglichen Ar⸗


