Teil eines Werkes 
2 (1861) Adam Bede
Entstehung
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ſo heller, und wir haben ein tieferes Vertrauen auf die göttliche Kraft. Ich ſize im dunkeln Zimmer auf meinem Stuhl und ſchließe meine Augen, dann iſt es mir als könnte ich nie wieder einen Mangel fühlen. Denn alle Noth, Sorge, Blindheit und Sünde, die ich ſchon geſehen habe und worüber ich hätte weinen mögen, ja alle Angſt der Menſchen⸗ kinder, die mich zuweilen wie plözliche Dunkelheit umſchließt, kann ich bereitwillig ertragen, als hälfe ich am Kreuze des Erlöſers tragen. Denn ich fühle es, ich fühle es, auch die unendliche Liebe leidet ja in der Fülle des Wiſſens leidet ſie, jammert und trauert, und nur blinde Selbſtſucht verlangt von dem Kummer befreit zu ſein unter welchem die ganze Schöpfung ächzet und ſtöhnet. Ganz gewiß iſt es nicht das wahre Glück vom Kummer frei zu ſein, ſo lange Kummer und Sünde in der Welt vorhan⸗ den ſind, denn der Kummer iſt ja ein Theil der Liebe und die Liebe ſucht ihn nicht abzuwerfen. Das ſagt mir nicht bloß der Geiſt, ſondern ich ſehe es im ganzen Werk und Wort des Evangeliums. Gibt es nicht eine Fürbitte im Himmel? Iſt nicht der Mann des Leidens da in dieſem gekreuzigten Leibe mit welchem er aufgefahren iſt? Und iſt er nicht eins mit der unendlichen Liebe ſelbſt, wie unſere Liebe eins iſt mit unſern Leiden?

Dieſe Gedanken haben mich in der lezten Zeit viel beſchäftigt und ich habe mit neuer Klarheit die Bedeutung der Worte erkannt: Wer mich lieb hat der nehme mein Kreuz auf ſich. Ich habe dieß ſo erklären gehört, als bedeute es die Trübſale und Verfolgungen die wir uns als Bekenner Jeſu zu⸗