Teil eines Werkes 
2 (1861) Adam Bede
Entstehung
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Adam hatte Rock und Weſte ausgezogen und las

Dina's Brief bei einem dünnen Lichtſtümpchen. Lieber Bruder Seth!

Euer Brief blieb drei Tage auf der Poſt liegen, denn ich hatte nicht Geld genug um den Boten zu bezahlen, weil es eine Zeit großer Noth und Krank⸗ heit iſt; auch iſt ſo viel Regen gefallen als ob die Schleußen des Himmels ſich von Neuem geöffnet hätten; und zu einer ſolchen Zeit Tag für Tag Geld zurückzulegen, während es ſo Vielen am Allernoth⸗ wendigſten fehlt, das wäre ein Mangel an Gott⸗ vertrauen, wie das Sammeln des Manna. Ich

ſpreche davon weil ich nicht nachläßig im Antworten

ſcheinen möchte, und damit Ihr nicht glauben ſollt, ich freue mich nicht herzlich mit Euch über das welt⸗ liche Glück das Eurem Bruder Adam widerfahren iſt. Die Ehre und Liebe die Ihr ihm erweiſet iſt nicht mehr als billig, denn Gott hat ihm große Gaben verliehen, und er gebraucht ſie wie der Patriarch Joſeph, der, als er zu hoher Macht und Würde ge⸗ langt war, dennoch zärtlich nach ſeinem Vater und jüngeren Bruder ſich ſehnte.

Mein Herz hängt ſehr an Eurer alten Mutter, ſeit es mir vergönnt war ihr am Tage der Trübſal nahe zu ſein. Grüßet ſie von mir und ſagt ihr daß ich ſie oft in meinen Gedanken trage, wenn ich Abends im Zwielicht daſize, wie damals als wir einander bei der Hand hielten und ich die Worte des Troſtes ſprach die mir eingegeben wurden. Ach das iſt eine geſegnete Zeit, nicht wahr, Seth? wenn das äußere Licht hinſchwindet und der Leib etwas müde iſt von Mühe und Arbeit, dann ſcheint das innere Licht um