Teil eines Werkes 
2 (1861) Adam Bede
Entstehung
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einander her. Adam war nicht geneigt auf die Sub⸗ tilitäten religiöſer Erfahrung einzugehen, aber er hatte Luſt einige Worte brüderlicher vertrauensvoller Liebe mit Seth zu wechſeln. Dieſer Drang kam ihn ſelten an, ſo ſehr auch die Brüder einander liebten. Sie ſprachen faſt nie von perſönlichen Angelegenheiten, und auf ihre Familienwiderwärtigkeiten machten ſie höchſtens dann und wann eine flüchtige Anſpielung. Adam war von Natur in allen Gefühlsſachen zurück⸗ haltend, und Seth empfand ſeinem practiſchen Bru⸗ der gegenüber eine gewiſſe Schüchternheit.

Seth, mein Junge, ſagte Adam, indem er ſei⸗ nen Arm über die Schulter des Bruders legte,haſt Du von Dina Morris Etwas gehört ſeit ſie weg⸗ ging?

3 Ja, antwortete Seth.Sie ſagte mir, ich möchte ihr nach einiger Zeit ſchreiben wie es uns gehe und wie die Mutter ihre Trübſal ertrage. Ich ſchrieb ihr alſo vor vierzehn Tagen daß Du eine neue Anſtellung habeſt und daß die Mutter zufrieden ſei. Und als ich lezten Mittwoch auf der Poſt in Treddleſton anfragte, traf ich einen Brief von ihr. Vielleicht macht es Dir Vergnügen ihn zu leſen; aber ich ſagte Dir nichts darüber, weil es mir ſchien als hätteſt Du andere Dinge im Kopf. Der Brief iſt ganz leicht zu leſen, ſie ſchreibt wundervoll für ein Mädchen.

Seth hatte den Brief aus der Taſche gezogen und hielt ihn Adam hin. Dieſer nahm ihn und ſagte:

gi ze mein Junge, ich habe jezt gerade eine ſchwere Laſt auf mir; Du mußt es mir nicht übel