245 und er freute ſich daß ſie ſo viel Selbſtbeherrſchung
zeigte. Er wußte daß ſie noch nicht Zeit gehabt
hatte den Brief zu leſen, aber das wußte er nicht daß ſie durch die geheime Hoffnung aufrecht erhalten
wurde, daß der Brief das gerade Gegentheil von
ſeinen Erklärungen enthalten würde. Es wurde ihm hart ſie zu verlaſſen und zu bedenken daß er Tage lang nicht erfahren ſollte wie ſie ihre Trübſal ertrug. Aber zulezt mußte er gehen, und Alles was er thun konnte war, daß er ihr beim Abſchied ſanft die Hand drückte, in der Hoffnung ſie würde dieß als ein Zei⸗ chen annehmen daß ſeine Liebe für ſie ſtets gleich bleiben werde, im Fall ſie bei ihm Schuz ſuchen ſollte. Wie geſchäftig ſeine Gedanken beim Heim⸗ gehen waren, wie eifrig er mitleidige Entſchuldigun⸗ gen für ihre Thorheit ſuchte, indem er ihre ganze Schwäche auf die holde Liebesbedürftigkeit ihres Weſens zurückführte und Arthur tadelte, da er immer weniger Luſt empfand auch für ſein Benehmen eine Beſchönigung zu finden! Seine Erbitterung über Hetty's Leiden, wie auch das Bewußtſein daß ſie ihm möglicher Weiſe auf immer entriſſen worden, machte ihn taub gegen jede Vertheidigung des fal⸗ ſchen Freundes der all dieſen Jammer geſtiftet hatte. Adam war ein Menſch von hellem Blick und ehr⸗ lichem Gemüthe, in der That ſowohl moraliſch als phyſiſch ein prächtiger Burſche. Aber wenn der ge⸗ rechte Ariſtides jemals verliebt und eiferſüchtig war, ſo war er gewiß in ſolchen Augenblicken nicht die Großherzigkeit ſelbſt. Und ich kann nicht behaupten daß Adam in dieſen Schmerzenstagen nichts Anderes
4 als ſittliche Entrüſtung und liebevolles Erbarmen


