232
kein Wort zu ſagen womit er Hetty ſchaden konnte; ſeine erſte Pflicht war ſie zu ſchüzen. Für ſich ſelbſt würde er niemals eine Lüge geſagt oder gethan haben. Guter Gott! Was für ein erbärmlicher Narr war er doch daß er ſich in eine ſolche peinliche Lage gebracht hatte! Und doch, wenn je ein Mann Entſchuldigungen hatte, ſo war er es.(Nur Schade daß die Folgen
nicht durch Entſchuldigungen, ſondern durch Hand⸗
lungen beſtimmt werden!)
Nun, der Brief mußte geſchrieben werden; er war das einzige Mittel das eine Löſung der Schwie⸗ rigkeit verhieß. Thränen traten ihm in die Augen als er ſich Hetty beim Leſen dachte; aber ihm ſelbſt wurde das Schreiben eben ſo hart: er that Nichts was ihm Vergnügen machte, und dieſer lezte Ge⸗ danke half ihm endlich zum Entſchluß. Er hatte nie abſichtlich und mit leichtem Herzen Andern einen Kummer bereitet. Eine Regung von Eiferſucht, bei dem Gedanken daß er Hetty jezt Adam überlaſſe, überzeugte ihn vollends daß er ein Opfer brachte.
Nachdem er einmal zu dieſem Entſchluß gekom⸗ men war, drehte er Meg und galoppirte nach Hauſe zurück. Vor allen Dingen mußte der Brief geſchrieben werden, der Reſt des Tages wurde dann von andern Geſchäften ausgefüllt, ſo daß er keine Zeit hatte viel hinter ſich zu blicken. Glücklicher Weiſe kamen Ir⸗ wine und Gawaine zu Tiſche, und morgen um zwölf hatte er das Schloß meilenweit hinter ſich. In dieſer beſtändigen Beſchäftigung lag eine gewiſſe Sicherheit, wenn ihn etwa ein unbezwingbarer Drang erfaſſen ſollte zu Hetty hinzuſtürzen und ihr irgend einen tollen Vorſchlag zu machen der Alles verderben


