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ich, ſelbſt wenn es mir frei ſtände, nicht der geſchickte
Romanſchreiber ſein der eine ſo unendlich beſſere Welt
ſchaffen könnte, als dieſe iſt worin wir Morgens auf⸗ ſtehen um unſere tägliche Arbeit zu beſorgen, ſo daß Du wahrſcheinlich härter und kälter auf die ſtaubigen Straßen und auf die grünen Felder blicken würdeſt, wie auch auf die lebenden Männer und Weiber die durch Deine Gleichgiltigkeit verlezt oder durch Dein Vorurtheil in Schatten gebracht, aber durch Dein Mitgefühl, Deine Nachſicht, Deinen ausgeſprochenen wackern Rechtsſinn erfreut und gefördert werden können.
So begnüge ich mich denn meine einfache Ge⸗ ſchichte zu erzählen, ohne daß ich den Dingen einen beſſern Anſtrich zu geben ſuche als ſie in Wirklichkeit beſizen; ohne etwas Anderes zu fürchten als die Falſchheit, wovor man ſich ſelbſt beim beſten Willen fürchten muß. Die Falſchheit iſt ſo leicht, die Wahr⸗ heit ſo ſchwer. Der Pinſel geht ſo köſtlich leicht wenn er einen Greifen malt: je länger die Klauen, je größer die Flügel, um ſo beſſer; aber dieſe wun⸗ derbare Leichtigkeit die wir irrthümlich für Genie hielten kann uns auch im Stich laſſen, wenn wir einen natürlichen Löwen ohne Uebertreibung malen ſollen. Prüfe Deine Worte genau, ſo wirſt Du finden daß es, ſelbſt wenn Du keinen Grund haſt falſch zu ſein, ungemein ſchwer hält die haarſcharfe Wahrheit zu ſagen, ſogar über Deine eigenen un⸗ mittelbaren Gefühle; weit ſchwerer als etwas Schönes inns nicht die haarſcharfe Wahrheit iſt darüber zu agen.
Um dieſer ſeltenen köſtlichen Eigenſchaft der Wahr⸗


