Teil eines Werkes 
2 (1861) Adam Bede
Entstehung
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rechten und Deine tugendhaften auf der rechten Seite ſtehen. Dann werden wir bald ſehen wen wir ver⸗ dammen und wen wir hoch halten müſſen. Dann werden wir ohne die mindeſte Störung in unſrem Vorurtheil bewundern dürfen: wir werden haſſen und verachten mit der wahren unerſchöpflichen Luſt einer über allen Zweifel erhabenen Zuverſicht. Aber meine liebe Freundin, was willſt Du denn mit Deinem Nachbar anfangen der Deinem Manne in der Kirchſpielverſammlung opponirt? Mit Deinem neuernannten Pfarrer deſſen Predigten Du im Vergleich mit denen ſeines betrauerten Vor⸗ gängers herzlich ſchlecht findeſt? Mit der ehr⸗ lichen Magd die Dich durch ihr einziges Verſehen in Verzweiflung bringt? Mit Deiner Nachbarin, Frau Green, die in Deiner lezten Krankheit wahr⸗ haft freundlich gegen Dich war, aber ſeit Deiner Geneſung einige ſehr bösartige Aeußerungen über Dich gethan hat? Und vollends mit Deinem eigenen Ehegemahl, der noch ganz andere ärgerliche Gewohnheiten hat als daß er ſeine Schuhe nicht abpuzt? All dieſe Mitmenſchen müſſen, einer wie der andere, ſo angenommen werden wie ſie ſind: Du kannſt weder ihre Naſen gerade machen, noch ihre Hirnſchädel erleuchten, noch ihre Anlagen recti⸗ ficiren; und dieſe Leute, unter denen Du Dein Leben zubringſt, mußt Du ſchlechterdings ertragen, bemitleiden und lieben: an dieſen mehr oder weniger häßlichen, dummen, albernen Leuten mußt Du ihre guten Regungen zu bewundern fähig bleiben, mußt alle möglichen Hoffnungen auf ſie ſezen, alle mög⸗ liche Geduld mit ihnen haben, und darum möchte