Teil eines Werkes 
1 (1861) Adam Bede
Entstehung
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zu beten. Sie ſchloß einfach ihre Augen und fühlte ſich von der Nähe Gottes umfangen; dann ſchmolzen

ihre Befürchtungen, ihre langen Sorgen um Andere allmählig hinweg wie Eiscriſtalle in einem warmen Ocean. So hatte ſie, die Hände in den Schooß ge⸗

legt, das blaſſe Licht über ihr ruhiges Geſicht aus⸗ gegoſſen, wenigſtens zehn Minuten vollkommen ſtill dageſeſſen, als ſie durch ein lautes Geräuſch, offen⸗ bar von einem herabfallenden Gegenſtande in Hetty's Zimmer, aufgeſchreckt wurde. Aber wie jedes Ge⸗

räuſch das in einem Augenblick der Zerſtreuung un⸗

ſer Ohr trifft, hatte es keinen beſtimmten Character, ſondern war einfach laut und überraſchend, ſo daß ſie nicht genau wußte ob ſie es recht gedeutet hatte. Sie ſtand auf und horchte, aber Alles war wieder ſtill, und ſie dachte Hetty habe bloß etwas auf den Boden geworfen als ſie zu Bette gegangen. Sie begann ſich langſam zu entkleiden, aber jezt concen⸗ trirten ſich ihre Gedanken in Folge des vernommenen Geräuſches auf Hetty: auf dieſes holde junge Ge⸗ ſchöpf vor welchem das Leben mit allen ſeinen Prü⸗ fungen lagh die ernſten täglichen Pflichten des Weibes und der Mutter, während ihr Gemüth noch keines⸗ wegs darauf vorbereitet, ſondern lediglich auf kleine, thörichte und ſelbſtſüchtige Freuden erpicht war, wie ein Kind das am Anfang einer langen mühſamen Reiſe, auf welcher es Hunger, Kälte und obdachloſe Finſterniß zu ertragen haben wird, an ſeinem Spiel⸗ zeug ſich ergözt. Dina hegte eine doppelte Sorge um Hetty, da ſie Seths ängſtliches Intereſſe für das Schickſal ſeines Bruders theilte, und ſie war noch nicht zu der Ueberzeugung gekommen daß Hetty bloß Eliot, Adam Bede 1 17