242
Fünßzehntes Capitel. Die beiden Schlafzimmer.
Hetty und Dina ſchliefen beide im zweiten Stock, in Zimmern die aneinander ſtießen und dürftig möb⸗ lirt waren, ohne Vorhänge um das Licht fern zu halten das jezt im aufgehenden Mond neue Kraft zu ſammeln begann, ſo daß Hetty ganz leicht ihren Weg finden und vollkommen bequem ſich entkleiden konnte. Sie ſah ganz deutlich die Pflöcke in dem alten angeſtrichenen Weißzeugſchrank woran ſie Hut und Kleid hing; ſie konnte jeden Klufenknopf auf ihrem rothen tuchenen Nadelkiſſen ſehen; ſie konnte ihr eigenes Bild von dem altmodiſchen Spiegel zu⸗ rückgeſtraht ſehen, und zwar vollkommen ſo deutlich als nöthig war, denn ſie brauchte nur ihr Haar zu bürſten und ihre Nachthaube aufzuſezen. Ein ſonder⸗ barer alter Spiegel! Hetty ärgerte ſich faſt jedes⸗ mal darüber wenn ſie ſich ankleidete. Er hatte ſei⸗ ner Zeit für hübſch gegolten und war vermuthlich vor einem Vierteljahrhundert bei irgend einer vor⸗ nehmen Auction in die Poyſerſche Familie gekauft worden. Auch jezt noch konnte ein Auctionator eini⸗ ges von ihm ſagen: er hatte noch eine ziemlich ſtarke, wiewohl matte Vergoldung, dabei eine feſte Maha⸗ goniunterlage, gut mit Schubladen verſehen, die mit⸗ telſt eines entſchiedenen Ruckes aufgingen und ihren Inhalt aus den fernſten Ecken hervorwarfen, ſo daß man nicht darnach zu greifen brauchte; vor allen Dingen aber hatte er auf beiden Seiten meſſingene


