Teil eines Werkes 
1 (1861) Adam Bede
Entstehung
Einzelbild herunterladen

58

modiſchem Schnitt. Sie glaubten an Fortdauer der Wunder, an augenblickliche Bekehrung, an Offen⸗ barung durch Träume und Geſichte; ſie zogen Looſe und ſuchten nach Gottes Führung, indem ſie die Bibel aufs Gerathewohl aufſchlugen; ſie deuteten die hei⸗ ligen Schriften ganz buchſtäblich und auf eine Art die von anerkannten Auslegern keineswegs gebilligt wird; auch kann ich unmöglich ihre Diction als rich⸗ tig oder ihre Bildung als liberal bezeichnen. Wenn ich jedoch die Religionsgeſchichte recht geleſen habe,

ſo haben Glaube, Hoffnung und Liebe nicht immer

im geraden Verhältniß zu einer beſondern Vorliebe für die Glaubensbücher geſtanden, und es iſt, Gott ſei Dank! möglich ſehr irrige Theorien und höchſt er⸗ habene Gefühle zu haben. Der rohe Speck welchen die tölpiſche Molly aus ihrer ärmlichen Vorraths⸗ kammer aufſpart um ihn ihres Nachbars Kind gegen die Gichter zu bringen, mag ein kläglich unwirkſames Mittel ſein; aber die großmüthige Regung nachbar⸗ licher Freundlichkeit wodurch die That hervorgerufen worden, hat eine wohlthätige Ausſtrahlung die nichte verloren gegangen iſt.

Nach ſolchen Betrachtungen können wir Dina und Seth nicht wohl unſeres Mitgefühls unwürdig glau⸗ ben, obſchon wir gewohnt ſein mögen über die er⸗ habeneren Kümmerniſſe von Heldinnen in Halbſtiefel⸗ chen und Crinolinen zu weinen, ſowie von Helden die auf feurigen Roſſen einherreiten, während ſie ſelbſt

von noch wilderen Leidenſchaften geritten werden.

Der arme Seth! er war in ſeinem Leben auf kein Pferd gekommen, als ein einziges Mal als klei⸗ ner Junge, wo Meiſter Jonathan Burge ihn hinter