Teil eines Werkes 
1 (1861) Adam Bede
Entstehung
Einzelbild herunterladen

43

ſei ein ſo blaſſes Geſicht wie dieſes da, oder rothe volle Wangen und runde ſchwarze Augen wie ihre eigenen zu haben. Aber allmählig ergriff der Ein⸗ fluß der allgemeinen Ernſthaftigkeit auch ſie und ſie wurde ſich der Worte Dina's bewußt. Die ſanften Töne, das liebreiche Zureden rührte ſie nicht; aber als die ſtrengeren Aufrufungen kamen, da wurde es ihr unheimlich ums Herz. Die arme Beß, ſie hatte immer für ein nichtsnuziges Mädchen gegolten und war ſich deſſen bewußt; wenn es nöthig war ſehr brav zu ſein, ſo mußte es ihr offenbar einmal ſchlecht ergehen. In der Kirche konnte ſie niemals ihren Plaz ſinden wie Sally Rann, ſie hatte oft gekichert wenn ſie vor Herrn Irwine ihren Knix machte, und zu dieſen religiöſen Mängeln geſellte ſich eine entſprechende Laxheit in der Moral, denn Beſſy gehörte unſtreitig zu jener ungeſeiften faulen Claſſe weiblicher Charactere mit welcher man höch⸗ ſtens allenfalls ein Ei, einen Apfel oder eine Nuß zu eſſen wagen darf. All dieſer Sünden war ſie ſich im Allgemeinen bewußt und hatte ſich bisher nicht ſonderlich darüber geſchämt. Aber jezt wurde ihr's zu Muthe als wäre der Conſtabler gekommen um ſie zu holen und wegen eines unbeſtimmten Ver⸗ gehens vor das Amt zu führen. Sie hatte ein ängſtliches Gefühl als ob Gott, den ſie ſich immer ſehr entfernt gedacht hatte, ihr ganz nahe ſei, und

als ob der liebe Heiland ſie genau anſehe, obſchon

ſie ſelbſt ihn nicht ſehen könne, denn Dina hegte den unter den Methodiſten verbreiteten Glauben an ſicht⸗ bare Kundgebungen Chriſti und theilte ihn unwider⸗ ſtehlich ihren Zuhörern mit; ſie erregte in ihnen