Teil eines Werkes 
1. Bd. (1874)
Entstehung
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belauſcht, dem Uebermaß meines Schmerzes. Wie einſt, kam die goldene Scheibe des Mondes hinter dem dunk⸗ len Berggipfel empor; wie einſt glänzte die Fluth und die Inſel in dem märchenhaften Schimmer des zittern⸗ den Dämmerlichts: aber zwiſchen dem Einſt und dem Jetzt lag eine Kluft, die keine Gnade des Himmels auszufüllen vermochte!... Bis gegen Mitternacht blieb ich auf dem Kirchhof... Dann ließ ich mich von einem alten Marinajo und ſeinem Burſchen nach Neapel hinüberrudern.

Fünf Wochen ſpäter hatte ich hier zwiſchen den ernſten, hochaufragenden Bergwänden mein ſtilles Aſyl gefunden. Die Einſamkeit that mir wohl. Allgemach vernarbten die Wunden meines Herzens: aber nach der Geſellſchaft der Menſchen ſehnte ich mich nicht wieder zurück. Der Verkehr mit Friedel, dem treuen Gefähr⸗ ten meiner Abgeſchloſſenheit, genügte mir; die Arbeit tröſtete und ſtärkte, die Kunſt erquickte mich... Der wohlthätige Hauch der kryſtallklaren Alpenluft flößte mir neuen Muth in die Adern... aber ich empfand von Jahr zu Jahr deutlicher, daß ich dies ſchlichte Block⸗ haus nie wieder verlaſſen würde...! Es gibt Er⸗ fahrungen, lieber Freund, die den Menſchen umgeſtal⸗ ten wie die Revolution ein Staatsweſen.. Ehedem ſehnte ich mich nach mitgenießenden Seelen: jetzt wäre