238
nenüberſtrömte Blicke zuzuwerfen. Mein Zuſtand ver⸗ ſchlimmerte ſich von Woche zu Woche. Endlich verfiel ich in ein Nervenfieber, das mich an den Rand des Grabes brachte. Drei Monate lang lag ich in Cam⸗ pobaſſo im Kloſter— von gutherzigen Mönchen auf's Treulichſte gepflegt— aber ſelbſt in meinen Delirien von den Qualen eines ewig bohrenden Gewiſſens ge⸗ foltert. Als ich wieder ſo weit hergeſtellt war, daß
ich meine Weiterreiſe antreten konnte, überlegte ich, ob
es ſich der Mühe lohne, dies elende Daſein fortzuſetzen. Dicht beim Kloſter fiel ein mehrere hundert Fuß hoher Fels ſteil in die Tiefe ab... Als Reconvalescent hatte ich oft am Rande des Abgrundes geſeſſen und über die ſteinerne Brüſtung in den gähnenden Schlund geblickt. Ein Sprung von dieſer Höhe— und Alles, Alles, Alles, was mich ſo unſäglich marterte, war vorüber. Aber nein! Die Schuld, die ich auf mein Haupt geladen hatte, mußte geſühnt werden! Ich mußte ausharren bis zum Ende! Nur ſo konnte ich auf Ver⸗ gebung hoffen!
Und ich harrte aus. Noch einmal beſuchte ich die Stätte meines kurzen Frühlingstraumes... Am dritten Tage hatte das Meer die ſterblichen Reſte Margherita's an den Strand getragen... Ich kniete an ihrem Grabe und überließ mich, von Niemandem
—
—


