Teil eines Werkes 
1. Bd. (1874)
Entstehung
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um Dir ein Leid zu erſparen, verſchwieg ich... was was nun doch einmal nicht mehr zu ändern war . O, hätte ich ahnen können...

Die Stimme verſagte ihr.

Ich hatte genug gehört.

Meiner ſelbſt nicht mehr mächtig, ſtieß ich ſie mit einem Worte zurück, das, einmal geſprochen, jede Mög⸗ lichkeit der Verſöhnung ausſchloß... Es war ein furchtbares, vernichtendes, blutiges Wort der Enteh⸗ rung, der Brandmarkung.

Mit einem gellen Aufſchrei fuhr ſie empor. Ihre Augen ſtarrten mich glanzlos an, als ſei jede Lebens⸗ fähigkeit, jeder Athemzug in ihrer Bruſt mit einem Mal erloſchen. Nie werde ich dieſen tödtlichen Blick vergeſſen... Er drang mir durch Mark und Bein, wie der Abſchiedsblick einer Sterbenden. Das letzte Dämmerlicht des verlöſchenden Tages ſpiegelte ſich in ihren großen, dunklen Pupillen... Noch einmal ſchau⸗ derte ſie zuſammen... Dann ſtürzte ſie haſtig hinaus...

Eile ihr nach! rief mir eine innere Stimme zu.Du verſcherzeſt das Glück Deines Lebens!

Zwei, drei Sekunden lang war ich unſchlüſſig. Dann ſtieg plötzlich das hohnlächelnde Antlitz meines Schulgenoſſen vor meiner Seele auf... Ich ballte die Fauſt und blieb.