Teil eines Werkes 
1. Bd. (1874)
Entstehung
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mir gelang, meine wahre Stimmung auch nur halb⸗ wegs zu bemänteln.

Was berechtigte den leichtfertigen Geſellen zu die⸗ ſer verruchten Sprache? Ich wußte ja aus Margheri⸗ ta's eigenem Munde, daß er ſeinerzeit das gleiche Haus mit ihr bewohnt hatte! Er kannte ſie, er hatte ihr Unterricht ertheilt, er war mit dem damals kaum ſechzehnjährigen Mädchen ſtundenlang allein geweſen... Die Phantaſie malte mir die entſetzlichſten Bilder aus! Was ich im beſeligenden Gefühle der wachſenden Lei⸗ denſchaft allgemach vergeſſen hatte die eiferſüchtigen Regungen der erſten Tage, die Erinnerungen an Mar⸗ gherita's ſeltſame Verwirrung.. die düſteren Bedenken, die mir Karl' Charakter eingeflößt hatte dies Al⸗ les erwachte jetzt mit verzehnfachter Lebendigkeit und gewann durch das nicht mißzuverſtehende Benehmen des rückſichtsloſen Mannes eine Nüance, die mir ſchier das Blut in den Adern gerinnen machte.

Karl zuckte die Achſeln.

Wenn Du Dich durch meine Reden beleidigt fühlſt, ſagte er kalt,ſo bedaure ich das aufrichtig. Im Grunde iſt's ja auch gleichgiltig, ob Deine Zu⸗ künftige ein bischen mehr oder ein bischen weniger tugendhaft iſt... Bei einem ſolchen Muſterbild von

Chegatten wird ſelbſt die Schlimmſte zum Engel werden.

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