Teil eines Werkes 
1. Bd. (1874)
Entstehung
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Um ſeine Lippen ſpielte ein ſchneidender Hohn. Langſam hob er das Glas empor und leerte es auf einen Zug. Ich aber ſaß da, wie vom Donner ge⸗ rührt. Der kalte Schweiß der Verzweiflung perlte mir auf der Stirn. Vier, fünf Sekunden lang vermochte ich mich nicht zu rühren. Dann aber erfaßte mich eine unbeſchreibliche Wuth...

Du biſt ein ſchnöder, niederträchtiger Verleum⸗ der, ſtöhnte ich dumpfein feiger, erbärmlicher Schurke!

Er ward blaß wie eine Leiche.

Einen Augenblick lang ſtarrte er mich an, als traue er ſeinen Augen nicht... Dann erhob er ſich, warf mir ſeine Karte auf den Tiſch und ſchritt lang⸗ ſam der Thür zu... Er legte dem Schänkmädchen einen halben Scudo auf das Zahlbret und verſchwand ohne Gruß im Hausflur.

Ich glaubte, geträumt zu haben. Alſo war es doch keine eitle Täuſchung geweſen!.. Margherita, die unſchuldige, harmloſe Margherita eine Betrügerin, eine Heuchlerin, ein falſches, leichtſinniges Geſchöpf! Er durfte es wagen, meine Wahl zu beſpötteln! Er redete vielleicht aus ureigenſter, unmittelbarſter Erfahrung! Er verunglimpfte mit einem zweideutigen Lächeln Das,

was ich als das Glück meines Lebens betrachtet hatte! Eckſtein. Novellen. I. 15