22 8₰
dagegen gab ſich nur ſelten einer erheiternden Hoff⸗ nung hin. Er durchſchaute mit richtigem Blick die Gefahr, in welcher die geliebte Kranke ſchwebte; und haͤtte er dieſe auch nicht geſehn: er wuͤrde den⸗ noch, in dem Sinne ſeiner letzten, finſtern Aeußerun⸗ gen gegen Weſtold, als ein Leichhuhn an ihrem Bette geſeſſen und geſeufzt haben:„Sie ſtirbt!“ Und wollte er, um Troſt zu ſuchen, an die Bruſt des treuen, frommen Freundes eilen: ſo ſah er mit Schaudern, wie ſchrecklich die endliche Enthuͤllung des ſchmaͤhlichen Geſchickes, dem die herrliche Schwe⸗ ſter hatte erliegen muͤſſen, auf Koͤrper und Geiſt des zaͤrtlichen Bruders gewirkt hatte; und ſo oft er ſein blaſſes Geſicht, und ſeinen erloſchenen Blick, und ſeine hinfaͤllige, ganz zuſammen gebrochene Geſtalt mit einiger Aufmerkſamkeit betrachtete, mußte er, wider Willen, in ſeinem Innern ſeufzen:„Auch Dieſer ſtirbt!“
So waren, in ewiger Laͤnge, mehrere qualvolle Tage verſtrichen, als eines Abends langſam ein Wa⸗ gen in den Hof fuhr. Als der Knecht die Pferde anhielt, rief er, es moͤchte Jemand zum Helfen kommen, er braͤchte einen verwundeten Offizier. Lebrecht ſturzte zuerſt hinzu; bald darauf ſtanden auch Haſtebeck und Weſtold an dem Wagen. Der Verwundete hatte das Geſicht mit Tuͤchern um⸗


