GN A 5
hier verfolgte mich wieder das grauſame Verhäugniß der geſellſchaftlichen Formen, welches mich überall im Leben verfolgt hatte. In jedem belebten und unbelebten Gegenſtande, der ſich meinen Augen dar⸗ bot, glaubte ich Feinde zu erblicken. Ich wurde inne, daß es nur der Tod war, den ich bei dem Herzog von C. geſucht hatte, denn ich hatte noch an nichts gedacht, mich mit nichts beſchäftigt, was über dieſen Beſuch hinauslag. Das Leben ſtellte ſich mir jetzt dar, wie ein unermeßliches, unwirthliches Feld, auf dem ich nicht einen Schritt thun konnte, ohne von Widerwiſ⸗ len und Verzweiflung ergriffen zu werden. Die Laſt meines Daſeyns drückte wie ein bleiernes Gewicht auf meine Schultern. Ein einziger Augenblick, dachte ich, kann dich von dieſer Pein erlöſen, und eine gräßliche, aber unwiderſtehliche Verſuchung riß mich hin nach dem Ufer des Fluſſes.
Der Herzog von C. wohnte am aͤußerſten Ende der Vorſtadt St. Germain, in der Gegend des neuen Boulevards. Den fürchterlichen Gedanken Raum ge⸗ bend, rannte ich durch die Straße du Bao, und wurde bei jedem Schritte geſtoßen, und von der Menſchenmaſſe, welche ſich in dieſer volkreichen Ge⸗ gend zuſammendrängt, aufgehalten. Recht widrig war mir der Anblick aller dieſer, ruhig ihren Ge⸗ ſchäften nachgehenden Menſchen. Die menſchliche Natur empört ſich gegen das Alleinſtehen. Mitge⸗ fühl iſt ihr Bedürfniß. Der Anblick eines andern Menſchen, eines, uns ähnlichen Weſens, welches an⸗ theillos bei unſern Schmerzen bleibt, verletzt unſer Gefühl für fremdes Leid, jenes heilige Gefühl, wel⸗ ches die gütige Vorſehung in die Seele des Menſchen


