Teil eines Werkes 
2. Bdchen (1826)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

die Herzogin meiner Leidenſchaft für ſie die Waage hielt. Nur aus recht überlegter Bosheit konnte er ſich demnach ſtellen, als hielt er mich für den be⸗ günſtigten Liebhaber; dies aber verdiente die ſtrengſte Züchtigung und ich brannte vor Begier, mich an ihm zu rächen, wie er es verdiente. Gegen ihn allein rich⸗ tete ich alle die Wuth und Bitterkeit, welche ſich durch das Zuſammentreffen ſo vieler Umſtände in meiner Bruſt gehäuft hatte. In der Nacht ordnete ich meine Angelegenheiten; ich ſchrieb an die Herzogin und an den Marſchall von Olonne. Die Briefe ſollten ihnen aber erſt zugeſtellt werden, wenn ich unterläge. Ich machte eine Art von Teſtament, um einigen alten Dienern meines Vaters, die ich in Forez zurückge⸗ laſſen hatte, eine ſorgenfreie Zukunft zu ſichern. Der Gedanke, daß ich die Herzogin rächen, den Tod finden, und von ihr beweint werden würde, beruhigte mich einigermaßen. Ich wehrte die Rührung, die mich übermannen wollte, von mir ab, ich drängte die re⸗ ligiöſen Gefühle, die mit mir aufgewachſen waren, zurück. Ich verſchloß mein Ohr den Grundſätzen, die wider meinen Willen aus der Tiefe meiner Seele ihre ernſte Stimme erhoben. Um 8 Uhr begab ich mich zu dem Herzog von C. er ſchlief noch. Ich mußte warten. Unruhig ging ich in dem Vorſaal auf und ab. Mein Blut kochte. Endlich wurde ich vorgelaſſen. Der Herzog von C. ſchien erſtaunt, mich zu ſehen. Ich komme, mein Herr, ſagte ich, um Sie wegen der Beleidigung, die Sie mir zugefügt, und wegen der Verläumdung, die Sie über die Frau Herzogin von Nevers ausgeſprochen haven, zur Rede zu ſtellen. Sie können unmöglich glauben, daß ich eine ſo grobe Beleidigung ertragen werde, und Sie