Teil eines Werkes 
2. Bdchen (1826)
Entstehung
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öyꝛłꝛéyʒy

AS 3

Dem Liebeszauber wich mehrere Tage hindurch jede Betrachtung; ich konnte nichts denken. Jedes Wort der Herzogin hat ſich tief in mein Gedächtniß geprägt, ihre Worte vertraten die Stelle mei⸗ ner Gedanken, in Wonnegefühl war meine ganze Seele aufgelöſ't. Ich vergaß Alles, Alles ging unter in dem entzückenden Gedanken, daß ſie mich liebte, daß wir unſere Herzen zu gleicher Stunde ausgetauſcht hatten, daß ſie vergebens ſich bemüht hatte, ſich von mir loszureißen, daß ſie mich liebte, daß ſie mir ge⸗ ſtattete ſie anzubeten, daß mein Leben in ihrer Nähe dahin fließen würde, daß ich, ihrer Zärtlichkeit gewiß, der glücklichſte aller Menſchen war. Ja, dieſe Ueberzeugung lebte in mir, und ich glaubte nicht, daß es größere Erdenſeligkeit geben könnte, als die, wel⸗ che ich empfand, als Natalie mir ſagte, daß ihre Seele noch den abweſenden Freund umſchwebt hatte.

Wer weiß, wie lange dieſer Wonnerauſch gedauert hätte, wenn der Marſchall von Olonne, dem es Vergnügen machte, das zu preiſen was er liebte, nicht auf den Einfall gekommen wäre, mir eine Lob⸗ rede zu halten. Er ſprach mit einigen Nachbarn, welche in Faverange zu Mittag geweſen waren; ich wollte bei den erſten Worten das Zimmer verlaſſen, er nöthigte mich zu bleiben. Welche Strafe! welche

Pein! Ich mußte mit anhören, wie er meinen Zart⸗

ſinn, meine Dankbarkeit, meine Ergebenheit lobte, und dies war hinreichend, um mein Herz wieder mit Reue und Gewiſſensangſt zu erfüllen. Die Vorwürfe, welche ich mir machte, waren um ſo bitterer, als ich ſo lange ſchon in ſträflichem Leichtſinn fortgelebt hatte, und doch empfand ich eine Art Freude bei der Wahr⸗