Arx 17
ich zählte mir alle die Unmöglichkeiten, glücklich zu werden, einzeln her.
Der Gedanke an Gegenliebe ſchreckte auch mein Gewiſſen auf. Bis jetzt hatte ich die Herzogin ſtill⸗ plaulos, ohne Abſicht angebetet; ich wußte zwar, daß dieſe Leidenſchaft mich in's Verderben ſtuͤrtzen könnte⸗ doch nur mir war ich deshalb verantwortlich. Aber wenn ſie, wenn die Herzogin mich liebte, dann würde meine Liebe Verbrechen. Ich hatte dann des güti⸗ gen Wohlthäters Vertrauen ſchändlich mißbraucht, ich undankbarer hatte die Flamme des Verderbens in der Bruſt ſeiner Tochter angefacht, ſie Preis gege⸗ ben der Oual einer hoffnungsloſen Leidenſchaft. So ſchmählicher Verrath war meiner unwürdig, und wenn auch der Gedanke von ihr, der Angebeteten⸗ geliebt zu feyn, alle meine Sinne umnebelte, mich in ſüßen Wonnerauſch verſetzte, ſo vermochte er doch nicht, mich ſo weit zu verblenden, daß ich mein ſträf⸗ liches Beginnen zu ontſchuldigen, für möglich hielt. Aber auch hier ſiegte die Allgewalt der Liebe; ſie konnte das Gewiſſen nicht zum Schweigen bringen, aber ſie ließ mir nicht die Zeit, dieſe Stimme zu hören. Uebrigens war ich weit entfernt von dem Glauben, daß Natalie von Nevers mich liebte, und ſo entſchwand die Zeit, wie ſie einem liebenden Her⸗ zen und im drei und zwanzigſten Jahre dahin eilt.—
Der Tag war drückend heiß geweſen, die Sonne war untergegangen, durch die geöffneten Fenſter ſtrömte labende Kühlung herein. Der Marſchall, der Ab bé
und zwei fremde Herren aus der benachbarten Stadt, hatten ſich in die Staatswirthſchaft vertreft. Man


