Teil eines Werkes 
1. Bdchen (1826)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

60 M

nur anbeten, ich weiß es ja, daß ich nie glücklich ſeyn darf.

Lag aber denn auch wirklich in ihren Worten

der Sinn, den mein Herz hinein legt, fuhr ich nach einer Pauſe fort; wäre ſie nicht abgerufen worden, ſo hätte ein Nachſatz vielleicht das Geſagte beſchränkt, wohl gar widerrufen. Mit der Ruhe kehrte auch der Zweifel zurück; dann erklang aber wieder der ſüße Ton ihrer Stimme tröſtend im Innerſten meiner Seele, ihn hielt ich feſt, ich fürchtete, daß er mir entriſſen würde, er war ja mein einziges Hoffen,

mein einziges Glück, ich ſchloß ihn feſt in mich, ich,

umfaßte ihn, gleichſam wie eine liebende Mutter ihr Kind umfaßt. 8

So verbrachte ich ſchlaflos die Nacht. Was ſollte mir auch der Schlaf, er hätte mich ja um das Gefühl meiner Seligkeit betrogen. Den andern Morgen lies der Marſchall mich in ſein Cabinet rufen. Sedermann dachte, er müſſe mein Glück auf meiner

Stirn leſen, ich mußte meine Freude verbergen. Ich

that es, aber ich war zerſtreut. Die Maske wurde bald unnütz, denn ſchon zu Mittag, wo ich die Her⸗ zogin bei Tiſche ſah, wich die Freude von ſelbſt. Na⸗ talie vermied meine Blicke, und ſprach keine Silbe mit mir. Abends fuhr ſie in Geſellſchaft. An den folgenden Tagen war ſte wieder minder kalt, ich glaubte aber⸗ mals, daß ſie fühlte, wie weh ſie mir that o ſie mußte mein Geheimniß durchſchaut haben. Ach nur Mitleid wollte ich ja, Mitleid ſchon wãre Troſt für

niich geweſen.

Ich hatte die Herzogin nie tanzen ſehen, und es wurde der Wunſch in mir rege, mich unbemerkt an