58 3 Drwwwde deſſen erſchienen, und Natalie trat ſchon um acht Uhr mit noch zwei oder drei andern Damen fertig angekleidet in den Salon.— Man ſollte die Qua⸗ drille noch einmal bei der Fürſtin probiren.
Nie habe ich die Herzogin ſchöner geſehen als an dieſem Abend. Der ſchwarzſammtne, mit Diamanten geſchmückte Kopfputz bedeckte nur zur Hälfte ihr wunderprächtiges blondes Haar, ein langer goldge⸗ ſtickter Schleier wallte leicht und verrätheriſch um Hals und Schultern, ein rothſeidnes, mit Diaman⸗ ten beſetztes Mieder, ſchloß ſich dem reizenden Nym⸗ phenwuchſe an; die weißen Aermel umſchloſſen reiche Armbänder, das kurze Röckchen enthüllte den nied⸗ lichſten Fuß, den ein ſeid'nes, mit Gold zugeſchnür⸗ tes Stiefelchen leicht umſchloß. Es iſt nicht mit Wor⸗ ten zu beſchreiben, wie bezaubernd ſchön und anmu⸗ thig das holde Weſen in dieſer fremden Tracht, die dem Charakter ihres Geſichts, dem Liebreize ihrer For⸗ men ſo ganz eigenthümlich entſprach, daſtand.— Ich war meiner Sinne kaum mächtig, alle meine Pulſe zuckten fieberhaft, ich mußte mich an einen Stuhl lehnen. Natalie ſchien es zu bemerken, und ſah mich freundlich an. Dieſer Blick, nach dem ich ſo lange ſchon mich vergebens ſehnte, traf meine
Seele, und verdoppelte die Schläge meines Her⸗
zens.— Wollen Sie nicht in's Theater gehen, fragte ſie mich; heute nicht, antwortete ich, mein Abend iſt
ſchon ausgefüllt.— Es iſt erſt acht Uhr, entgegnete
ſte— das wohl, erwiederte ich, aber Sie gehen ja
aus. Natalie ſeufzte, und ſah mich recht wehmuͤthig an.
Wie gern, ſagte ſie, bliebe ich. Sie ward gerufen,
ging hinaus, und ich hörte ihren Wagen dahin raſſeln.
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