nach einer Viertelſtunde die Fremde ſich empfahl, ent⸗ zückte mich der Gedanke, daß ich nun allein mit der
Herzogin bleiben würde.— Nachdem Natalie die
Dame bis zur Thür begleitet hatte, kehrte ſie um, ging einige Schritte auf mich zu, wendete ſich dann aber plötzlich ab, und ging an das andere Ende des Salons, wo ſie hinter dem Stuhle ihres Vaters Platz nahm, und in deſſen Karte ſah.— Ich war entrüſtet.— Alſo die verachtet dich, ſagte ich mir, wo blieb jene ſchöne Freundlichkeit, die ſie mir da⸗ mals bewies, als ich den Tod meines Vaters be⸗ weinte? alſo nur um den Preis des herbeſten Schmer⸗
zes, war dieſe Wonne zu erkaufen? Damals floſſen
ihre Thränen mit den Meinigen, jetzt zerreißt ſie ſchonungslos mein Herz!
Zum erſten Male drängte ſich mir der Gedanke auf, daß die Herzogin mein Gefühl durchſchaut, und ſich dadurch beleidigt fühlte.
Beleidigt? und weshalb? darf dieſe ſtille Anbe⸗ tung ſie verletzen? Sch fodere ja nichts, hoffe nichts⸗ wie darf ſie mir wehren, ſie anzubeten? Sie lie⸗ ben heißt leben, will ſie denn, daß ich ſterbe? In dieſem Augenblicke vergaß ich, wie ſehr ich ſelbſt gefürchtet hatte, daß ſie meine Leidenſchaft entdeckte, und wäre im Stande geweſen ihr Alles zu geſtehen, aus Verzweiflung über die ertödtende Kälte, mit wel⸗ cher ſie mich behandelte.
Waͤre ich der Prinz Enrichemont, oder der Her⸗ zog v. C., ſagte ich mir, dann würde ich mich ihr zu nähern wagen dürfen, ich würde ſie zwingen, mir


