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Gleichgeſtimmtheit der Seelen iſt das einzige wahre Gut des Lebens. Ein regelmäßiger Briefwechſel nährte dieſe Freundſchaft; keine Woche verging, in welcher mein Vater nicht Briefe vom Marſchall d'Olonne erhielt. Es herrſchte das innigſte Ver⸗ trauen unter ihnen. In das Haus dieſes Mannes wollte mein Vater mich einführen, ſobald ich das zwanzigſte Jahr erreicht haben würde; dort ſollte ich die große Welt kennen lernen, und die Geiſtesfähig⸗ keiten erlangen, in deren Beſitz er mich gerne ge⸗ ſehen hätte. Meine gute Mutter war andrer Mei⸗ nung, und widerſetzte ſich dieſem Vorhaben. Wir wollen uns nicht über unſern Stand erheben, hörte ich ſte nicht ſelten zu meinem Vater ſagen. Warum willſt du Eduard in eine Welt führen, die nicht die Seinige iſt, und die ihm unſer ruhiges Stillleben verleiden könnte. Der Sachwalter, entgegnete mein Vater, muß überall zu Hauſe ſeyn, kein Rang, kein Stand, keine Menſchenklaſſe darf ihm fremd bleiben; er muß im Voraus vertraut ſeyn mit der glatten Abgeſchliffenheit der höchſten Stände, um nicht durch ſie getäuſcht zu werden. In der vornehmen Welt erlerne er Gewandheit des Ausdrucks, Reinheit der Sprache, Feinheit des Scherzes, hier die zarte Schick⸗ lichkeit, und jene Geſchmacks⸗Lehre, die zwar keine beſtimmte Regeln giebt, gegen welche man aber doch nicht ungeſtraft verſtoßen darf. Alles, was du da ſagſt, iſt wahr, erwiederte die Mutter, doch ich ge⸗ ſtehe, mir wäre es lieber, daß Eduard allen die⸗ ſen Sachen fremd bliebe, und glücklich würde, doch nur in dem Umgang mit ſeines Gleichen vermag er dies zu werden.


