Teil eines Werkes 
1. Bdchen (1826)
Entstehung
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Mein Vater verdankte ſeine Geſchicklichkeit und ſeinen Ruhm als Sachwalter vorzüglich ſeiner tiefen Menſchenkenntniß. Er pflegte zu ſagen, daß oft ein Blick, den er in das Herz der Partheien ge⸗ worfen, ihn richtiger, als die Aktenſtücke bei Feſt⸗ ſtellung ſeiner Meinung in Streitſachen geleitet hätten. Dieſen durchdringenden Scharfblick wollte er gleich⸗ ſam auf mich vererben, und die ſtille Zurückgezogen⸗ heit, in welcher wir lebten, war eine abſichtlich zu dieſem Zweck gewählte. Es ſollte nach meines Va⸗ ters Meinung, plötzlich der Vorhang aufrauſchen und ich mit einem Male die Bühne der großen Welt vor mir offen liegen ſehn. Es muß dieſes Schau⸗ ſpiel viel mehr Eindruck auf den Menſchen machen, der es alſo mit einem Male ſieht, als auf denjeni⸗ gen, der ſich allmaͤhlich an denſelben gewöhnt hat, der nur nach und nach die Laſter und die Lächerlichkeiten der Welt kennen lernt; folglich ſchon abgeſtumpft für dieſe Eindrücke iſt. Mein Vater wollte mich erſt dann in die Welt einführen, wenn er die Ueberzeu⸗ gung hegen durfte, daß mein Sinn für das Gute entſchieden, mein Beobachtungsgeiſt reif, meine Grund⸗ ſätze feſt wären.

Er hatte in ſeiner Jugend das Glück gehabt, Ehre und Vermögen des Marſchalls d'Olonne in ei⸗ nem berühmten Rechtsſtreite zu retten. Die Verhält⸗ niſſe und Annäherungen, welche dieſes Geſchäft her⸗ beigeführt hatte, gründeten unter den beiden Män⸗ nern eine Freundſchaft, welche ſich ſeit dreißig Jah⸗ ren bewährt hatte. Ungeachtet der Verſchiedenheit ihrer Schickſale und Lebensverhältniſſe, war ihre innige Freundſchaft immer unverändert geblieben.