Teil eines Werkes 
1. Bdchen (1826)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16 rT

der Landſchaft ausgegoſſen; der Mond, der hinter den Wäldern aus zerriſſenem Wolkenſchleier hervorglänzte, und die Kronen der ſchlanken Fichtenſtämme verſil⸗ berte; dies alles entzückte mich ungemein. Wie durch einen Zauber war ich an dieſe Stelle gefeſſelt, und wenn man mich davon abrief, erwachte ich gleichſam aus einem Traum.

Ungeachtet dieſes Hanges zur Schwärmerei, wa⸗ ren mir die Spiele der Kindheit nicht fremd, doch nur das Gefährliche konnte mich ergötzen.

Ich erklimmte die ſteilſten Felſen, ich erkletterte die hoͤchſten Bäume; mir war es immer, als müßte ich ein fremdes, mir ganz unbekanntes Ziel erreichen. Ich geſellte wohl auch andere Kinder zu meinen Spie⸗ len, aber ſie mußten mir als Untergebene gehorchen, und ich ſetzte meinen Ruhm darein, ſie an Kühnheit zu übertreffen. Oft verbot ich ihnen auch zu folgen,

denn das Gefühl der Gefahr verlor ſeinen Reiz für mich, wenn ich ſie mit Andern theilte.

Ich hatte mein vierzehntes Jahr erreicht, und nicht geringe Kenntniſſe erlangt; doch ſie blieben mir nutzlos wie früher. Mein Vater verzweifelte bereits, in mir den Geiſtesfunken anzufachen, ohne welchen jede Erkenntniß wie ein todter Schatz da liegt, als ein, dem Anſcheine nach, geringfügiger Umſtand die bisher ſtumme Saite meines Herzens erzittern, und in mir ein neues Leben aufgehen ließ.

Ich ſprach vorhin von meinen Spielen. Es gewaͤhrte mir eine beſondere Luſt den Fluß zu überſchreiten,

1

p