Teil eines Werkes 
1. Bdchen (1826)
Entstehung
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v Arztes. Nie hab ich auf einem Geſichte die verſchie⸗ denartigſten Gefuͤhle ſo lebendig ausgedruͤckt geſehn, als auf dem ſeinigen. Der Schmerz, die Be⸗ ſorgniß, die Dankbarkeit, ſpiegelten ſich in ſeinen Zuͤgen ſo treu und kraͤftig ab, daß dieſes aus⸗

drucksvolle Geſicht haͤtte koͤnnen einem Maler

zum Studium dienen.

Als der Wundarzt den Ausſpruch that, daß meine Wunde nicht toͤdtlich ſey, ſchoß ein Thraͤ⸗ nenſtrom aus Eduard's Augen, er druͤckte mich an ſein Herz. Ich waͤre eines zweifachen Todes ge⸗ ſtorben, ſagte er.

Von dieſem Tage an, verließ Eduard mich nicht mehr; ich blieb lange krank; er pflegte mich mit unermuͤdetem Eifer, und errieth den kleinſten

meiner Wuͤnſche. Immer ernſt, ſuchte er den⸗ nooch mich zu zerſtreuen; er fuͤhrte nicht ſelten den Scherz herbei, theilte aber nie die Froͤhlich⸗ keit, die ſein Witz erzeugt hatte. Oft las er mir vor, er fuͤhlte mit Sicherheit das heraus, was meine Leiden lindern konnte; es lag ſo viel Klares, Ruhiges, Zartes in ſeinen Aufmerkſamkei⸗ ten, daß ich die Sorgfalt, die er mir bewies, nur

mit dem ſtillen, ſanften Zauberwalten der Frauen

vergleichen kann. Eduard beſaß dieſe, dem Weibe eigenthuͤmliche, gaͤnzliche Hingebung, welche das eigene Ich in den Gegenſtand unſrer Liebe uͤber⸗