143
»Nun, ſeht Ihr dieſe Thüre dort oben an der Treppe, uns gegenüber? Dort iſt er mit ſeiner Lucy hineingegangen, denn Lucy nannte er ſie.«
In dem Augenblicke, wo der Kutſcher dieſe Worte ſprach und dieſe Aufſchlüſſe gab, ſtürzte Lord Lisle in die Taverne. Er hörte die Worte des Mannes, ſah die Richtung ſeiner Hand und war mit zwei Sprüngen die Treppe hinauf vor der Thür, welche die Gerechtigkeit Gottes ſo eben ſeiner Rache bezeichnet hatte.
Hier bemächtigte ſich ein ſeltſamer und plötzlicher Schmerz ſeines Weſens. Sein ganzer Körper ſchauderte, ſein zerriſſe⸗ nes Herz blutete unter den ſcharfen Zähnen der Eiferſucht. Ein grauſamer, hölliſcher Schmerz bereitete ſeiner Seele ent⸗ ſetzliche Qual.
Lucy retten— dies war ein Kinderſpiel für ſeinen Zorn und ſeinen Degen. Aber entriß er ſie rein oder beſudelt den Händen des wilden Percy Kirke?
Er blieb wie eingewurzelt an der Thur ſtehen.
Unbeweglich, mit geballten Fäuſten, verhaltenem Athem, über den geſchloſſenen Augen zuſammengezogenen Brauen, eingekniffenen Lippen und nichts als Ohr lauſchte er.
Eine Stimme— es war die Percy Kirke's— ſagte:
»Luch! O meine Lucy! Warum dieſe Thränen, dieſe Verzweiflung, dieſes hartnäckige Schweigen? Sehet, ich liege vor Euch auf den Knien. O, ſprecht ein Wort— ein einziges Wort! Sagt, daß Ihr mir verzeihet. Ihr wollt es nicht? Grauſam! Und dieſes verſchleierte Haupt! O, zeige mir deine göttliche Schönheit, deren Anblick meine Wonne ins Unend⸗ liche ſteigern wird. Was brauchſt Du Dich vor mir zu ſchä⸗


