Teil eines Werkes 
[2. Bd.] (1859)
Entstehung
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Abbé Caetano und William unter der um den Tower von London herum verſammelten Menge Lord Henry Lisle be⸗ gegnete.

Die Sonne ließ an dieſem ſchönen Sommerabend ihre purpurnen Strahlen durch das Laubwerk fallen und auf dem Haar der ſchönen Einſiedlerin ſpielen. Es war als ob ein gol⸗ denes Diadem ihre Stirn umſchlöſſe, deſſen Glanz die Bläſſe ihres Geſichts noch mehr hervortreten ließen. 1

Schön und blond wie das Licht, weiß und unbeweglich wie der Marmor, den Blick auf der Fernſicht ihrer Erinne⸗ rungen ruhen laſſend, rührend wie der ſtandhaft ertragene Schmerz, ſaß ſie hier und träumte.

Tiefe Schwermuth war ihren Zügen aufgeprägt, aber dieſe Schwermuth hatte mit der Verzweiflung eben ſo wenig gemein als mit der Ergebung. Sie glich vielmehr der unauf⸗ hörlich getäuſchten Erwartung, die dennoch nicht von ihrer unauslöſchlichen Hoffnung läßt.

Um die junge Dame herum bewegte ſich ein kleiner Knabe. Lebhaft, roſig und friſch, mit großen, feurigen, aus⸗ drucksvollen, ſchwarzen Augen, die Stirn und die Schläfe von langen braunen Locken beſchattet, ſpielte er in dem Sand der Gänge und unter den Blumen, die er in Maſſen pflückte und in ſeiner kleinen Schürze ſammelte.

Mein lieber Lucian, ſagte plötzlich die ſchöne Träu⸗ merin zu dem Knaben,»Du biſt heute nicht ſehr artig. Die Blumen, welche der gute Gott wachſen läßt, darf man nicht

auf dieſe Weiſe aus dem Boden reißen und zerzauſen.« Dann ſetzte ſie lächelnd hinzu:»Du biſt nun zwei Jahre und drei Monate alt, Lucian, und mußt daher verſtändig ſeyn. Nicht wahr, Du verſprichſt mir, dieſe armen Blumen nicht mehr auszureißen?«