Teil eines Werkes 
[1. Bd.] (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

tige Aufträge zu ertheilen, ehe ich ſterbe und ich habe nur noch ſo wenige Augenblicke zu leben.«

»Nein, Ihr werdet nicht ſterben, meine Mutter Ihr werdet wenigſtens heute Abend noch nicht ſterben. Eine Friſt, auf welche vielleicht oder auf die vielmehr ohne Zweifel eure ganze Begnadigung folgen wird«

Was ihr Sohn ſagte, ſchien keine Freude in Lady Lisle zu erwecken. Ihr Geſicht verrieth nur tiefes Erſtaunen.

»Wie, meine Mutter, hat der Oberrichter Euch von die⸗ ſer Friſt noch nicht in Kenntniß ſetzen laſſen?« fragte Henry.

»Nein, Du biſt der Erſte, von dem ich ſie erfahre, mein Sohn.

»Ha, daran erkenne ich den Haß dieſes Jeffreys!«

»Ohne Zweifel hat er Dir das Vergnügen laſſen wol⸗ len, mich davon zu benachrichtigen.

»Euer edles Gemüth will niemals die ſtrafbaren Be⸗ weggründe der Dinge ſehen, liebe Mutter. Doch laſſen wir Jeffreys und die Beweggründe ſeiner Handlungen. Er hat Euch eine Friſt von fünf Tagen bewilligt. Dafür müſſen wir Gott danken, denn nun habe ich Zeit, nach London zu eilen den König zu ſprechen, ihn um eure Begnadigung zu bit⸗ ten, liebe Mutter ſie zu erlangen man hat mir ſchon Hoffnung gemacht, daß ich ſie erlangen werde.

»Und es iſt keine falſche Hoffnung, die man Dir da ge⸗ macht hat, Henry. Der König iſt vielfach verleumdet wor⸗ den. Und da wir eben von der Urſache der Dinge ſprachen, ſo will ich bemerken, daß die der Verleumdung nicht ſehr ſchwer zu ermitteln iſt. Es iſt durchaus nicht zu verwundern, daß ein katholiſcher König, der über ein proteſtantiſches Volk regiert, alle Tage zur Zielſcheibe der ungerechteſten Anklagen