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Eigenſchaften. Ich ſehe Euch und ich liebe Euch mit euren Unvollkommenheiten, euren Mängeln. Nun will ich Euch nicht verhehlen, James, daß in Euch eine Schwäche, eine Trägheit, wenn Ihr es ſo lieber nennen wollt, liegt, welche eure glänzenden Eigenſchaften verdunkelt und eurem Ruhme ſchadet. Jetzt, wo Ihr jung ſeyd, machen der unwiderſteh⸗ liche Zauber eurer Perſon, die Lebhaftigkeit eures Geiſtes, die Diſtinction eurer Manieren Euch bei aller Welt geſucht und geliebt. Man bewundert Euch nicht blos wegen deſſen, was Ihr ſeyd, ſondern ganz beſonders wegen deſſen, was Ihr zu wer⸗ den verſprecht— man erwartetgroße Dingevon Euch. Wohlan, James, ich will nicht, daß Ihr dieſe allgemeine Erwartung täuſcht, daß Ihr hinter dem Rufe zurückbleibt, den man Euch im Voraus zugeſteht. Endlich, James, vergeßt auch nicht, daß der Tod Carls des Zweiten, eures Vaters, Euch um euer ganzes Vermögen gebracht und keinerlei pecuniäre Hilfsmittel übrig gelaſſen hat. Ich, die ich Euch ſo genau kenne, als ob eure Gedanken zuerſt in meinem Gehirn entſtän⸗ den, ich kenne eure gründliche Gleichgiltigkeit gegen den Reich⸗ thum vollkommen. Mit dem Haupt auf dem Blocke und be⸗ reit, vor Gott zu erſcheinen, würde ich als Märthrin der Wahrheit euer ſo leicht verwundbares Zartgefühl eure ſo ſel⸗ tene Uneigennützigkeit laut verkünden. Aber leider, James, ſeyd Ihr von Feinden umringt, die nach eurem Untergang trachten und Ihr wißt noch nicht wie leicht das Volk irre zu leiten iſt. Ich wage nicht, die Verleumdungen zu vermu⸗ then, die man erfinden wird, um Euch zu ſchaden.«*)
*) In der That ſchrieb Don Pedro de Ronquillo, ſpaniſcher Geſandter am engliſchen Hofe, zu derſelben Zeit indem er von der Verbindung des Herzogs von Monmouth mit Lady Henriette Wentwokih ſprach:»Er iſt gegenwärtig ſo von


