Teil eines Werkes 
[1. Band] (1858)
Entstehung
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Zärtlichkeit betrachtete,»wie wollt Ihr, daß ich ruhig und kaltblütig ſey, während mich der Gedanke quält, daß das Mißlingen eines verwegenen, tollkühnen Unternehmens Euch ins Verderben ſtürzen würde? Ihr kennet meinen Onkel hin⸗ reichend, um zu wiſſen, daß Ihr, wenn Ihr ihm in die Hände fallet, weder Gnade noch Barmherzigkeit von ihm zu erwar⸗ ten hättet und zwar um ſo weniger, als er bald erfahren würde, daß es mir nur durch eure edelmüthige und freigebige Unterſtützung möglich geworden iſt, gegen ihn in die Schran⸗ ken zu treten. Habt Ihr nicht alle eure Diamanten verkauft und Euch aller Beſitzthümer, über die Ihr verfügen konntet, entäußert um dieſe Schifſe zu miethen, Waffen zu kaufen und die zu meiner Expedition nöthigen Leute zu bezahlen? Seht, Henriette, ſelbſt wenn das Glück meine Bemühungen begün⸗ ſtigte und mir eine Krone auf die Stirn drückte, ſo würde ich immer noch nicht im Stande ſeyn, Euch die Schuld der Dankbarkeit zu bezahlen, die ich gegen Euch uͤbernommen.*

O wenn Ihr König ſeyn werdet, Sire,« antwortete die junge Dame mit heiterem Lächeln,dann werdet Ihr von dem Vorrecht Gebrauch machen, welches die Königswürde gibt. Ihr werdet dem Beiſpiel eurer Vorgänger folgen, Ihr werdet undankbar ſeyn

Wenn ich König ſeyn werde!« wiederholte der Herzog langſam,»o Henriette ich liebe Euch mit ſo reiner Liebe, eure Seele iſt jetzt ſo ſehr ein Theil der meinigen, daß ich eine unwürdige Handlung zu begehen glauben würde, wenn ich Euch einen einzigen meiner Gedanken verſchwiege. Wohlan, Henriette, ich muß Euch geſtehen, ich gäbe die Hälfte meines Lebens darum, wenn ich mich nicht mit dieſem thörichten und furchtbaren Unternehmen befaßt hätte. O ſehet in dieſer Reue nicht einen Beweis von Schwäche! Goit iſt mein Zeuge,