Teil eines Werkes 
2Der Tiger von Tanger : historischer Roman : 2. Th. (1858)
Entstehung
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ſchwieg einen Augenblick, dann ſenkte ſie die Stimme und die Augen und fuhr fort:

»Bruder, ich darf dir nichts verhehlen. Vor Dir denke ich laut wie ich ſpreche. Du mußt Alles erfahren! Ich erfuhr, geliebter Bruder, noch etwas, was ich ebenfalls noch nicht ge⸗ ahnt, nemlich, daß die Natur mich mit ungewöhnlicher Schön⸗ heit begabt hat, und daß die Schönheit ebenſo wie der Reich⸗ thum und die Macht eine furchtbare Waffe iſt. Wir werden daher in dem erbitterten Kampfe, den wir zu beginnen im Begriff ſtehen, nicht wehrlos ſeyn. Haſt Du, um aus der ge⸗ fährlichen Stellung, welche man Dir bereitet hat und welche Chiffinch mir angedeutet, herauszukommen, nöthig, ein Staats⸗ geheimniß zu wiſſen, oder die ſchwache Seite deiner Feinde, dei⸗ ner Verfolger zu kennen? Sprich, mein Bruder. Für ein Lä⸗ cheln von mir würde Chiffinch ſeinen ganzen Reichthum opfern er würde ſich nur glücklich ſchätzen, wenn ich von ihm ver⸗ langte, daß er ſeinen Herrn verrathen ſolle.«

Ein ziemlich langes Schweigen folgte auf die Worte der jungen Irländerin, welche Fitzgerald mit wehmüthiger Be⸗ wunderung betrachtete.

»Das Blut verläugnet ſich nicht,«dachte er.Suſanne iſt nicht umſonſt meine Schweſter. Iſt es nicht vielmehr die Vor⸗ ſehung, welche mir zu Hilfe kommt? Doch nein, es iſt viel⸗ mehr die Hölle, welche uns verfolgt die Fitzgeralds ſind ein Geſchlecht, auf welchem ein Fluch laſtet. Möge unſer Schick⸗ ſal ſich erfüllen! Ich vermag nichts dagegen; ich habe ge⸗ than, was der Kraſft eines Menſchen möglich war zu thun. Welches Reſultat habe ich erlangt? Den tragiſchen Tod meines Bruders, den moraliſchen Fall Suſannens, den Verluſt mei⸗ ner Ruhe und meiner Ehre! Ich wäre ein Narr, ein Un⸗

ſinniger, wenn ich die Hilfe zurückwieſe, welche der Himmel *