Teil eines Werkes 
2Der Tiger von Tanger : historischer Roman : 2. Th. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6

mit ſeiner Tochter nach Whitehall gerufen. Er ging hin. Der alte Shakeſpeare hat geſagt:»Gebrechlichkeit, dein Name iſt Weib.« Eben ſo könnte man auch ſagen:»Nachgiebigkeit, deine Mutter iſt die Liebe zu unſern Kindern!« Aber noch an demſelben Abend, wo die Unterredung ſtattfand, ward der Stuart von der Krankheit ereilt, welche ihn fünf Tage ſpäter hinwegraffte. Unter ſeiner Regierung nun konnte man allen⸗ falls die Tochter eines Puritaners mit einem jungen papiſti⸗ ſchen Offizier vermälen. Damals war es nicht wahrſcheinlich, daß vielleicht ſchon am Morgen nach einer ſolchen Vermälung der Gatte aufgefordert werden würde, den Degen gegen den Vater ſeiner Gattin zu ziehen. Aber die Zeiten haben ſich ge⸗ ändert. Seit der Thronbeſteigung Jacobs von York ſind alle jene entfernten Gefahren in drohende Nähe herangerückt, und Murray will ſeine Tochter meinem Henry nur dann geben, wenn er der katholiſchen Religion entſagt. Er ſchreibt mir, daß er die erſte günſtige Gelegenheit benutzen wird, um einen großen Schlag zu führen. Möge er gelingen! Und wie werde ich Luch ſegnen, wenn ihre Tugend und Schönheit ein ſolches Wunder zu Stande bringen! Lady Lisle's Einfluß auf meinen Sohn iſt groß, ich gebe dies zu, aber hat Gott nicht zu den Menſchen geſagt: Du ſollſt Vater und Mutter verlaſſen, um deinem Weibe anzuhangen?«

»Möge Gott eure Wünſche erhören, Mylord,« ſagte William,»dann wird auch mein innigſter Wunſch erfüllt ſeyn. Meinen jungen Herrn Sir Henry wieder auf dem richtigen Wege und als Miß Lucy's Gatten zu ſehen, dies wäre das größte Glück für meine ganze noch übrige Lebenszeit.

»Uebrigens werden Murray und Lucy nicht allein zu kämpfen brauchen,« fuhr Lord Lisle mit noch größerer Leb⸗ haftigkeit fort.Ich werde auch zur Stelle ſeyn, wir werden