Teil eines Werkes 
2Der Tiger von Tanger : historischer Roman : 2. Th. (1858)
Entstehung
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ſonſt nicht eigen warDu verſtehſt nicht, daß mein Sohn, wenn er Lucy liebte, gerettet wäre?«

»Was verſteht Ihr unter dem Worte gerettet, My⸗ lord? Wird Sir Henry denn von einer Gefahr bedroht?«

»Von der größten aller Gefahren, von der Gefahr, ſeine Seele zu verlieren! Komm, mein guter alter William,« fuhr Lord Lisle fort,»ſetz Dich hierher zu mir. Weigere Dich nicht, ich befehle es Dir! Mein Herz iſt voll, es will ſich Luft ma⸗ chen. Seit vielen Jahren gewohnt, mich vom Unglück verfol⸗ get zu ſehen, kann ich das Glück, die Freude nicht ertragen. Die Freude thut mir weh.«

» Und ſeyd Ihr heute glücklich, Mylord?« fragte der alte Diener in einem Tone, welcher ſeine innige und zärtliche An⸗ hänglichkeit an ſeinen Herrn verrieth.

»Ja, ja, William! Gott ſcheint endlich ſich meiner ſtillen Ergebung und meiner Leiden zu erbarmen. Von allen Seiten erhalte ich gutgh, frohe Nachrichten. Auf dieſe guten Nachrich⸗ ten werden wir ſogleich wieder zurückkommen, William, denn ſie intereſſiren auch Dich perſönlich. Vor allen Dingen aber ſprechen wir von meinem Sohn. Niemand kennt beſſer als Du, William, die ängſtliche und eiferſüchtige Zärtlichkeit, welche ich für dieſes theure Kind, den einzigen Sprößling mei⸗ nes Geſchlechtes, empfinde. Von allen Schmerzen, welche dem Verbannten in das fremde Land folgen, hat ſich ganz beſon⸗ ders einer meiner bemächtigt, der Gedanke, daß mein Sohn, der verhängnißvollen Zärtlichkeit ſeiner Mutter überlaſſen, meiner Religion der wahren Religion entſagt habe, daß er Papiſt geworden ſeyn möchte. Wie viele Nächte habe

ich in fieberhafter, grauſamer Schlafloſigkeit zugebracht! Wie viele bittere Thränen habe ich nicht vergoſſen, wenn ich an dieſes furchtbare Unglück dachte! Uebrigens konnte es nicht

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