Teil eines Werkes 
2Der Tiger von Tanger : historischer Roman : 2. Th. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

3

Es dauerte jedoch nicht lange mochte nun die Auf⸗ merkſamkeit des alten Dieners zu lebhaft werden, um ſich noch länger Schweigen auflegen zu laſſen, oder mochte vielleicht das lange Schweigen ſeines Herrn ihm peinlich werden ſo begann William, geſtützt auf das durch lange und treue Dienſte erworbene Vorrecht der Vertraulichkeit, das Geſpräch.

»Mein Gott, Mylord,« rief er, indem er bewundernd die Hände faltete,wie ſchön iſt doch Miß Lucy Murray!«

Dieſer Ausruf hatte auf Lord Lisle's Antlitz einen Aus⸗ druck von Zufriedenheit zur Folge, der bei ihm eben ſo viel bedeutete wie bei Andern ein heiteres Lächeln.

»Nicht wahr, William? Wohlan, wenn man dem, was mein alter Freund Murray mir ſchreibt, Glauben ſchenken darf, ſo ſteht dieſes Gemälde dem Original noch weit nach. Nun aber kann man dieſer Verſicherung vollen Glauben bei⸗ meſſen, denn Murray legt auf die Geſchenke der Natur ſehr geringes Gewicht, und in dem ganzen Laufe ſeines Lebens iſt keine ich will nicht ſagen Lüge ſondern ſogar keine Uebertreibung über ſeine Lippen gekommen. Ja, Luch iſt ein anbetungswürdiges Geſchöpf! Ich habe noch niemals die Ge⸗ walt der Liebe kennen gelernt aber dennoch ſcheint es mir, als wenn ich, wenn ich jung und frei wäre, von einer ſo idea⸗ len Vollkommenheit ſelbſt über alle Maßen hingeriſſen werden

könnte. Iſt es nicht wahr, William, daß ein junger Mann kein Blut in den Adern haben müßte, wenn er gegen ſo viel Anmuth, Reiz und Schönheit gleichgiltig bleiben wollte?«

»Ich bin überzeugt, Mylord, daß euer geehrter Sohn, Sir Henry, eure Meinung iheilt.

»Ich hoffe es, ohne daß ich es zu glauben wage. »Ich verſtehe Euch nicht, Mylord. »Was, rief der Lord mit einer Lebhaftigkeit, die ihm

*