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„Mein Gott, was höre ich?« rief Lady Lisle indem ſie Augen und Hände gen Himmel erhob.»Gerechter Gott! iſt es möglich, daß Du mich ſo lange haſt leben laſſen, um mich zur Zeugin der Abtrünnigkeit meines Sohnes zu machen!*
Nachdem die ſtrenge Lady dieſe Worte mit bewegter Stimme ausgeſprochen, ſetzte ſie ſich und ſenkte das Haupt, als ob ſie die zermalmende Laſtder Verzweiflung und Schmach kaum noch zu ertragen vermöchte. Ihre Augen aber blieben thränenlos, ſey es, daß ihr ſtolzes und feſtes Gemüth ſie hin⸗ derte, deren zu vergießen; ſey es, daß ſie, weil ihr noch an⸗ dere Waffen zu Gebote ſtanden, ihre Thränen für einen an⸗ dern Augenblick des ſich entſpinnenden Kampfes aufſparte.
Plötzlich kniete Henry vor dem Seſſel nieder, in welchen Lady Lisle geſunken war und nachdem er den Degen, welchen Sir Charles Murray ihm übergeben und welchen er ſeit dieſem Augenblick fortwährend in der Hand gehalten, auf den Fußboden niedergelegt, ſagte er in ſanftem, wehmüthi⸗ gem Tone:
„Fluchet mir nicht, meine Mutter. Rufet nicht den Zorn Gottes auf das Haupt eines Sohnes herab, welcher Euch über Alles liebt und verehrt. Wendet nicht ſo eure Blicke von mir ab— verſcheuchet den duͤſtern Zorn, der aus ihnen leuchtet; höret mich, ehe Ihr mich verdammet, meine Mutter.“
„Wenn Du willſſt, daß ich Dich anhöre, ſo nimm augen⸗ blicklich die Läſterung zurück, welche Du vorhin gegen deinen König ausgeſprochen.“
„Ich habe keine Läſterung ausgeſprochen, meine Mut⸗ ter. Ich habe rein und einfach eine wahre Thatſache ausge⸗ ſprochen. Ich habe von meinem Entſchluſſe geſprochen, wel⸗


