Teil eines Werkes 
3Der Tiger von Tanger : historischer Roman : 3. Th. (1858)
Entstehung
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Murray hielt ſeine Tochter lange in ſeiner Umarmung. Dabei aber verfolgte er zugleich mit ſeinem Blicke die Gefühle, welche ſich düſter und ſchnell nacheinander auf Henry Lisle's

Geſicht malten.

„Wohlan, meine Kinder,« rief er plötzlich,»Ihr ſeyd Eins des Andern würdig, edle rührende Opfer der Kindesliebe! Vor eurem beiderſeitigen Opfer vermag ich den Schrei mei⸗ nes bekümmerten Vaterherzens nur mit Mühe zu unter⸗

drücken.«

Er ſchwieg. Es dauerte jedoch nicht lange, ſo machte er

ſich aus den Armen ſeiner Tochter los.

„Henry,« ſagte er,»ich habe noch etwas mit Euch zu

ſprechen. Wartet einen Augenblick.«

Der Greis lenkte ſeine Schritte nach dem Tiſche, ergriff den darauf liegenden Degen und zog ihn aus der Scheide. Dann näherte er ſich, die Waffe eben ſo wie die Scheide in der linken Hand haltend, wieder dem jungen Manne, welcher

ihm erſtaunt zuſah.

Ehe er ihn noch ganz erreicht hatte, warf Luch ſich zwi⸗

ſchen ſie.

»Ich errathe Euch, mein Vater!« rief ſie;»o ich bitte Euch, ſetzet dieſen entſetzlichen Kampf nicht länger fort, denn

Henry könnte unterliegen.“

„Das iſt es nicht was ich will,« entgegnete Murray, indem er ſeine Tochter mit der Hand auf die Seite drängte.

„Er würde meiner unwürdig werden, wenn er mir ſeine Mutter opferte,“ ſagte ſie.

„Ja, nemlich wenn er ſie Dir oder der Liebe opferte. Glaubſt Du, daß ich einen ſolchen Soldaten und einen ſolchen Sohn lieber wollte als Du?«

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