Teil eines Werkes 
3Der Tiger von Tanger : historischer Roman : 3. Th. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

70

»Als Katholiken werden meine Mutter und ich lieber als Märtyrer denn als Abtrünnige ſterben.«

»Du hatteſt eine andere Religion, Henry, ehe man deine Jugend betrog und—«

„Sir Charles Murray, meine Mutter war es, welche mich bewog, mich zu dieſer Religion zu bekennen.«

»Aber Lord Lisle, es geſchah gegen den Willen eures Vaters, deſſen lange, deſſen ewige Verbannung durch den Gedanken verbit⸗ tert ward, daß ſein Sohn die Religion der Selaven angenommen.«

„Dies iſt ein Geſetz der Freiheit!«

„»Nun ſo kämpfe für dieſe und nicht für die, welche ſie verletzt haben! Kämpfe für den Glauben Chriſti und nicht für den Jacobs von York. Du ſchweigſt!— Henry, wenn Du bei dieſer Religion beharrſt, in welcher deine Mutter un⸗ ter allen den Laſtern, von denen ſie umringt iſt, als ein Muſter der Tugend leuchtet, ſo klagſt Du das Andenken deines Vaters an, Du ſchändeſt ſein ganzes Leben, denn dein entge⸗ gengeſetztes Verhalten wird ſagen, daß nach deiner Anſicht das Leben deines Vaters nicht das eines ehrlichen Man⸗ nes war.“« 1

»Lucy, ich appellire an Euch!— Wenn ich die Gewiß⸗ heit habe, daß man meine Mutter umbringen würde, kann ich dann ſie dadurch verlaſſen, daß ich in ein anderes Lager

übergehe?«

»Nein, Henry, nein, das könnt Ihr nicht,« rief Luch mit Begeiſterung;„Ihr ſeyd Euch eurer Mutter ſchuldig. Mein Vater,“ fuhr ſie fort, indem ſie ſich Sir Charles Mur⸗ ray näherte,»öffnet mir eure Arme, denn ich habe nun auf Erden keinen andern Platz als eure Bruſt, wo mein von Schmerz zerriſſenes Herz ausruhen kann.“