Teil eines Werkes 
1Der Tiger von Tanger : historischer Roman : 1. Th. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

69 ſchwarzen Ringen umgebene Augen und ſchwerfällige heiſere Sprache verriethen, daß er die Folgen ſeiner nächtlichen Aus⸗ ſchweifung noch nicht überwunden hatte. 1

Lewis begann, anſtatt dem ihm gegebenen Befehle zu ge⸗ horchen, ſeinen Herrn aufmerkſam zu betrachten. Er fragte ſich, ob dieſer ſeltſame Befehl nicht ein Ueberreſt von Delirium ſey und ob er demſelben Folge zu leiſten habe.

Sey es nun, daß Jeffreys die Zweifel ſeines Dieners er⸗ rieth, ſey es, daß er ungeduldig ward, ſeinen Befehl nicht ſo⸗ gleich vollzogen zu ſehen, kurz, er ließ Lewis nicht lange in der Ungewißheit.

»Dummkopf,“ ſchrie er,„haſt Du mich nicht gehört? Ein für allemal ſage ich Dir, daß ich einen Befehl nicht gern wiederhole. Alſo raſch und bringe mir ſo ſchnell als möglich den Henker.«

Lewis verneigte ſich abermals und beeilte ſich, nun über⸗ zeugt, daß ſein Herr ſich des vollen Gebrauches ſeines Ver⸗ ſtandes erfreue, ſich zu entfernen.

»He, Fitzgerald! Fitzgerald!« murmelte Jeffreys, nach⸗ dem Lewis ſich entfernt hatte,„Du haſt Dich unterſtanden meinen Schlaf durch ſchlimme Träume zu beunruhigen. Mein Erwachen wird Dir dafür ſchreckliche Wirklichkeiten be⸗ reiten!«

Eine Stunde ſpäter drehte ſich die Thür des Schlaf⸗ zimmers geräuſchlos in ihren wohlgeölten Angeln und herein trat der gefürchtete Nachrichter der Stadt London.

Jack Ketch zählte zu jener Zeit ungefähr fänfundvier⸗ zig Jahre. Er hatte ganz das Ausſehen, welches man von einem Manne ſeines Standes erwartet. Musculös und unterſetzt trug er auf ſeinem Geſicht einen Ausdruck von brutaler Ge⸗ fühlloſigkeit, welche gleich auf den erſten Anblick und ohne daß