Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

129

„Weißt Du auch, daß das ſehr unklug iſt, was Du da ſagſt, Agnelette?“

„Warum, Thibault?“ fragte die junge Frau.

„Wir ſind hier allein; es iſt Nacht, und kein Menſch in der Nähe wagt zu dieſer Stunde den Wald zu betreten. Weißt Du auch, Agnelette, daß der König nicht vollſtändiger Herr in ſeinem Reiche iſt, als ich es hier bin?“.

„Was wollt Ihr damit ſagen, Thibault?“

„Ich will damit ſagen, daß ich, nachdem ich Dich gebeten, beſchworen und angefleht habe, jetzt zur Drohung übergehen kann.“

„Ihr wollt mir drohen?“

„Ich will damit ſagen,“ fuhr Thibault, ohne Agnelette anzuhören, fort,„daß Du mit jedem Wort, das Du ausſprichſt, zu gleicher Zeit meine Liebe zu Dir und meinen Haß gegen ihn reizeſt; ich will end⸗ lich ſagen, daß es unklug vom Schafe iſt, den Wolf zu reizen, wenn es ſich in ſeiner Gewalt befindet.“

„Als ich Euch auf dieſem Wege hier ſah,“ antwor⸗ tete Agnelette, da erſchrack ich, wie ich Euch geſagt habe, nicht über Eurem Anblick. Als ich jedoch vorhin wieder zu mir kam, da wurde ich einen Augenblick von Angſt erfaßt, weil ich unwillkürlich an das dachte, was man ſich von Euch erzählt. Aber jetzt könnt Ihr thun, was Ihr wollt, Thibault, ſo werdet Ihr mich nicht erblaſſen machen.“

Thibault faßte ſeinen Kopf mit beiden Händen.

„Sprich nicht ſo,“ ſagte er,„denn Du weißt nicht, was der Teufel mir ins Ohr ziſcht, und wie viel Kraft ich brauche, um ſeiner Stimme zu wider⸗ ſtehen.“

Dumas, der Wolfsführer. II. 9