Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

128

Ihr nicht thun wolltet: er hat das arme junge Mäd⸗ chen geheirathet; er hat die blinde, alte Frau zu ſich genommen; er hat der Einen ſeinen Namen, der Andern Brod gegeben; er hat Nichts begehrt als meine Liebe, keinen andern Reichthum gefordert als meinen Schwur; könnt Ihr verlangen, daß ich ihm Gutes mit Böſem vergelte? Könnt Ihr zu mir ſagen, daß ich denjenigen, der mir ſeine Liebe bewieſen hat, verlaſſen und denjenigen vorziehen ſoll, der mir nur Beweiſe ſeiner Gleichgültigkeit gegeben hat?“ „Aber da Du ihn nicht liebſt, ſondern mich, was liegt dann an alle dem, Agnelette!“ „Thibault, verdrehet nicht meine Worte, um darin einen Sinn zu finden, den ſie nicht haben. Ich habe von der Freundſchaft geſprochen, die ich Euch erhalte, aber ich habe Euch nicht geſagt, daß ich meinen Mann nicht liebe. Ich möchte Euch glück⸗ lich ſehen, mein Freund; ich möchte hauptſächlich wünſchen, daß Ihr Eure Irrthümer abſchwüret und Eure Verbrechen bereutet; ich wünſche endlich, daß Gott Erbarmen mit Euch habe, um Euch dieſem böſen Geiſt zu entreißen, von dem Ihr ſo eben ſpra⸗ chet. Ich bete jeden Morgen und jeden Abend auf meinen Knieen darum. Aber um für Euch beten zu können, Thibault, muß ich rein bleiben; wenn die Stimme, die um Gnade bittet, bis zum Thron des Herrn emporſteigen ſoll, ſo muß ſie unſchuldig ſein; kurz, ich muß aufs Gewiſſenhafteſte das Verſprechen hanen das ich am Fuß ſeines Altars beſchworen abe.“ Als Thibault dieſe feſte Sprache hörte, wurde er wieder düſter und wild.