116
viel vergoſſenes Blut, er fühlte ſich etwas gedemüthigt dadurch, daß ſein eigenes Vieh, das Vieh des Wolfs⸗ jägermeiſters, ganz beſonders von den Thieren heim⸗ geſucht wurde, zu deren Ausrottung er aufgeſtellt war; aber im Grund dachte er doch nicht ohne ge⸗ heime Freude an die glorreichen Jagden, die ſeiner warteten, und an die Berühmtheit, die er ſich un⸗ fehlbar unter allen ausgezeichneten Jägern erwerben mußte. Seine Leidenſchaft für die Jagd ſteigerte ſich in dieſem Kampf, den ſeine Gegner ſo offen und ehrlich angenommen zu haben ſchienen, zu einer rie⸗ ſigen Höhe; er gönnte ſich weder Raſt noch Ruhe; er ſchlief nicht mehr; er aß im Sattel; er ſtreifte ganze Nächte lang mit Munter und Engoulevent, der aus Rückſicht auf ſeine Verheirathung zum Rüden⸗ knecht erhoben worden war, auf den Feldern umher: ſchon am frühen Morgen ſaß er zu Pferd, griff einen Wolf an und jagte ihn, ſo lange es hell genug war, daß er ſeine Hunde erkannte.
Aber leider verſchwendete Herr Jean alle ſeine Kenntniß des edlen Waidwerks, all ſeinen Muth, all ſeine Beharrlichkeit ganz umſonſt.
Er überwältigte da und dort irgend einen ſchlech⸗ ten jungen Wolf, irgend ein abgemagertes, räudiges Thier, irgend einen unvorſichtigen Freſſer, der des Guten zu viel gethan hatte, ſo daß er nach einer Verfolgung von zwei oder drei Stunden den Athem verlor; aber die großen Wölfe mit fahlem Pelz, ſtarker Bruſt und ſchlankem Bauch, ſtählernen Knie⸗ kehlen und langen, dürren Pfoten, dieſe verloren kein Haar im Kriege mit ihm.


