209
nes Nebenmenſchen gerichtet waren, die gezeichneten Haare ſich ganz ſchrecklich vermehrt hatten. In die⸗ ſem Augenblicke hatte der Unglückliche Haare, die ebenſo hell glänzten, als die zwei gelben Wachslichter, welche das Zimmer beleuchteten.
„Zum Teufel, Herr Magloire,“ ſagte Thibault, indem er ſeine Aufregung zu bemeiſtern verſuchte, „Ihr habt mir eine ſchreckliche Angſt eingejagt.“
„Aber...“ ſtammelte der Amtmann, indem er fortwährend mit einem gewiſſen Entſetzen auf die flammende Locke Thibaults deutete.
„Ach was!“ verſetzte dieſer,„Ihr müßt Euch nicht daran ſtoßen, daß ein Theil meiner Haare viel⸗ leicht etwas Ungewöhnliches hat; dies kommt daher, daß meine Mutter, als ſie mit mir ſchwanger war, an einem großen Feuer erſchrocken iſt, worin ſie bei⸗ nahe umgekommen wäre.“
„Was noch ſonderbarer iſt,“ meinte Frau Su⸗ ſanna, die ein großes Glas Waſſer hinabgeſtürzt hatte, um ihr Gelächter zu dämpfen,„ich habe dieſen wunderlichen Glanz heute zum erſten Mal bemerkt.“
„Ei wahrhaftig,“ ſagte Thibault, der nicht recht wußte, was er antworten ſollte.
„Vorgeſtern,“ fuhr Frau Suſanna fort,„erſchie⸗ nen mir Eure Haare ſo ſchwarz wie mein Sammt⸗ mantel, und dennoch dürft Ihr mir glauben, daß ich Euch mit großer Aufmerkſamkeit betrachtet habe, Herr Thibault.“
Dieſe letzte Phraſe gab Thibault ſeine Hoffnun⸗ gen und mit ihnen auch ſeine gute Laune zurück.
„Potz Wetter, Frau Amtmännin,“ ſagte er, „rothe Haare, warmes Herz, das iſt ein alter Spruch, Dumas, der Wolfsführer. I. 14


