zu
nein den
75
„Ich kenne ihn nicht, gnädiger Herr, und ich ſehe ihn heute zum erſten Mal.“
„Und zwar nur von hinten,“ erfrechte ſich En⸗ goulevent hinzuzuſetzen, der den Augenblick zu einem ſchlechten Spaß gekommen glaubte.
„Halt's Maul, Burſche!“ ſchnauzte der Baron ihn an.
Dann wandte er ſich lächelnd gegen das ſchöne Mädchen zurück und ſagte:
„Nun wahrhaftig, wenn er weder Dein Ver⸗ wandter noch Dein Geliebter iſt, ſo bin ich doch be⸗ gierig, wie weit Du Deine Menſchenliebe treibſt. Laß uns einen Handel ſchließen, ſchönes Kind.“
„Welchen, gnädiger Herr?“
„Ich begnadige den Lümmel, wenn Du mir einen Kuß gibſt.“
„O von Herzen gern!“ rief das junge Mädchen. „Ein Menſchenleben mit einem Kuß erkaufen! Ich bin überzeugt, daß der Herr Pfarrer ſelbſt dies für keine Sünde erklären wird.“
Und ohne abzuwarten, bis Herr Jean ſich herab⸗ bückte, um ſelbſt zu nehmen, was er begehrte, ſchleu⸗ derte ſie ihren Holzſchuh von ſich, ſtemmte ihr zier⸗ liches Füßchen auf den Stiefel des Wolfsjägers, nahm die Mähne ſeines Pferdes in die Hand, ſchnellte ſich mit einer Kraftanſtrengung bis in die Höhe vom Geſicht des rauhen Jägers empor und bot ſeinen Lippen von ſelbſt ihre runden, friſchen Wangen, ſo ſammtzart wie der Flaum einer Auguſtpfirſiche, zum Kuſſe dar.
Herr Jean war für einen Kuß handelseins ge⸗ worden, nahm aber zwei; ſodann gab er, um ſeinen


