Teil eines Werkes 
5. Bd. (1858)
Entstehung
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Creolin, empört über den leichtfertigen Ton, mit welchem Camille ihren Schmerz behandelte.Nun und wirſt Du auch dies verläugnen, fügte ſie hin⸗ zu, zog einen Brief aus ihrem Buſen, entfaltete ihn raſch und wiederholte, ohne daß ſie nöthig hatte zu leſen, die Worte, die er enthielt:

Camille, lieber Camille, wo biſt Du in dieſem Augenblicke, wo ich nur Dich ſehe, wo ich nur Dich höre, und wo ich nur an Dich denke?

Oh! nun iſt's an mir, genug! zu rufen, ſagte Camille, indem er heftig den Brief aus den Hän⸗ den der Creolin riß und in tauſend Stücke zerfetzte.

O zerreißen Sie, zerreißen Sie ihn nur! ſagte dieſe;ich weiß ihn unglücklicher Weiſe auswendig.

Alſo nicht zufrieden damit, mir zu folgen und mich auszuſpioniren, entſiegeln Sie meine Briefe oder erbrechen meine Schlöſſer! rief Camille pur⸗ purroth vor Zorn.

Allerdings... ja... was dann?... Ja, ich folge Dir... ja, ich ſpionire Dich aus; ja, ich ent⸗ ſiegle Deine Briefe; ja, ich erbreche Deine Schlöſſer! Du kennſt mich alſo nicht, Unglücklicher? Du weißt nicht, weſſen ich fähig bin? Sieh mir in's Geſicht, habe ich etwa zufällig das Geſicht einer Frau, die man ungeſtraft täuſcht?

Und in der That, ſo ſchön ſie auch war, ſie war in dieſem Augenblick furchtbar anzuſchauen; ein Maler hätte in dem wilden Ausdruck ihrer Augen und in dem heftigen Zuſammenziehen der Muskeln ihres Geſichts ein bewundernswerthes Mo⸗ dell für eine Medea oder eine Judith gefunden.