—MP
———y——
213
„Und Du liebſt Fräulein von Valgeneuſe nicht?“
„Natürlich, meine Liebe.“
„Du kannſt es ſchwören?“
„Ich ſchwöre es,“ machte Camille lächelnd.
„Nein, nicht ſo, nicht in dieſem Tone, ſondern feierlich und vor Gott.“ V
„Ich ſchwöre es vor Gott,“ antwortete Camille, der uns bereits einen Beweis von dem Gewicht gab, das er auf Liebesſchwüre legte.
„Nun denn, Camille,“ rief die Creolin mit dem Ausdruck tiefer Verachtung,„ſo erkläre ich, daß Du ein Heuchler und ein Feigling, ein Meineidiger und ein Verräther biſt!“
Camille ſprang auf und wollte ſprechen; aber mit einer ſouveränen Geberde befahl ihm die junge Frau zu ſchweigen.
„Genug der Lügen, habe ich Ihnen bereits ge⸗ ſagt; ich weiß Alles. Seit einigen Tagen beobachte ich Sie, ich folge Ihnen, ich ſehe Sie in das Hoôtel Valgeneuſe treten, ich ſehe Sie daraus kommen. Geben Sie ſich daher nicht die Mühe, einen Augen⸗ blick länger zu heucheln, es würde Ihre Schmach nur vermehren.“
„Oh!“ machte Camille ungeduldig,„Sie wiſſen, daß ich dieſe Art Scenen ſehr wenig liebe; laſſen Sie dieſe Lächerlichkeiten der Bourgoiſie, wir wollen das bleiben, wofür wir in der Welt gelten: Leute von guter Erziehung. Es beſteht zwiſchen mir und Fräulein von Valgeneuſe kein Verhältniß. Ich habe es Dir geſchworen, ich ſchwöre es Dir noch einmal.
Das ſollte Dir genügen, wie mir ſcheint.“
„Das iſt zu viel der Schamloſigkeit,“ rief die


