Teil eines Werkes 
5. Bd. (1858)
Entstehung
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Bertha's Lippen beantworteten dieſen Kuß mit

einem ſchwachen Beben; dann ſchob ſie ſelbſt ihre

Schweſter ſanft mit der Hand zurück. Aber die Hand, welche dieſe Bewegung gemacht,

hatte nicht mehr die Kraft, ſich in die andere zu

ſchließen. Sie ſiel träge auf das Bett zurück.

Die Nonne trat herzu und nahm, ohne eine Thräne, ohne einen Seufzer, ohne daß ihr Geſicht die geringſte Spur von Bewegung verrieth, beide Hände der Sterbenden, näherte ſie einander und legte ſie gefaltet auf ihre Bruſt.

Dann ſchob ſie ſanft Mary nach der Thüre.

O Bertha! Bertha! rief dieſe in Schluchzen ausbrechend.

Es ſchien, als ob dieſem Schluchzen Etwas wie ein Flüſtern antwortete, und ſie in dieſem Flüſtern den Namen Mary unterſcheiden könnte.

Sie war auf dem Corridor, die Thüre der Zelle ſchloß ſich hinter ihr.

O daß ich ſie wieder ſehen könnte, ſagte Mary,einmal, nur einmal noch!

Aber die Nonne ſtreckte die Arme aus und ver⸗ ſperrte ihr den Weg.

Gut, ſagte Mary, von Thränen geblendet, führen Sie mich, Schweſter.

Die Nonne führte die junge Frau in eine leere Zelle; die, welche ſie bewohnt hatte, war am Abend zuvor geſtorben.

Mary bemerkte durch ihre Thränen einen Bet⸗ pult mit einem Crucifix darüber. Sie wankte da⸗ rauf zu und warf ſich auf die Kniee. 2 Eine Stunde lang blieb ſie in Gebet verſunken.